Spastische Parese
ELSO-Hacke; spastic paresis
 
W. Klee  
 
 
Das Wichtigste in Kürze

Einseitige oder beidseitige spastische Kontraktion des M. gastrocnemius, zum Teil auch anderer Muskeln. Erbliche Genese wurde angenommen, auch übersteigerte Ansprechbarkeit der Dehnungsrezeptoren im M. gastrocnemius wird diskutiert. Auftreten sporadisch bei verschiedenen Rinderrassen. Eine Frühform bei Tieren im Alter von einigen Monaten und eine Spätform im höheren Alter werden beschrieben. Symptomatik graduell unterschiedlich. Steilstellung des betroffenen Hinterbeins mit noch vorhandener Fußung auf der Klauenspitze bis zu Streckung des Beins nach hinten. Beim Gehen Vorführen der Gliedmaße im Halbkreis nach vorne. Passive Beugung des Sprunggelenks ist möglich. Therapie: totale oder partielle Neurektomie des N. tibialis, Tripeltenotomie oder Tripeltenektomie (Durchtrennung sämtlicher Anteile des Fersensehnenstranges exklusive der oberflächlichen Beugesehne) (s. Skript Chirurgie).


 

Prüfungsstoff
 
 
Wesen Diagnostik
Ursache Differentialdiagnosen
Epidemiologie Therapie
Symptomatik Prophylaxe

 

Wesen:
Progressive, einseitige oder beidseitige spastische Kontraktion des M. gastrocnemius, zum Teil auch anderer Muskeln beim stehenden Tier. Die "klassische" Form wurde als BSP-G (Bovine spastische Parese -Gastrocnemius) bezeichnet, die "atypischen" Formen entweder als BSP-Q (wenn vor allem der M. quadriceps femoris betroffen ist) oder BSP-M (wenn eine Mischform vorliegt oder noch weitere Muskeln betroffen sind).
 

Ursache:
Nicht geklärt. Erbliche Genese wurde zunächst angenommen ("ELSO-Hacke" nach einem Bullen ELSO II), etliche Befunde sprechen jedoch zumindest gegen einen einfach rezessiven Erbgang. Erhöhung der Ansprechbarkeit der Dehnungsrezeptoren im M. gastrocnemius wird diskutiert.
 

Epidemiologie:
Kommt sporadisch (meist deutlich unter 1 %) bei verschiedenen Rinderrassen, vereinzelt auch bei Ziegen vor. Eine Frühform (Auftreten im Alter von einigen Tagen oder Wochen) und eine Spätform (Auftreten im Erwachsenenstadium) werden beschrieben. Die atypischen Formen kommen vor allem bei den Rassen Blaue Belgier und Romagnola vor.
 

Symptomatik (bei BSP-G):
Im Liegen sind die betroffenen Tiere unauffällig, und die Symptomatik wird erst am stehenden Tier offensichtlich. Zum Teil nicht eindeutig von "einfacher" Steilstellung des Sprunggelenks zu unterscheiden, graduell unterschiedlich. Bei einseitigem Befall wird das betroffene Hinterbein mehr oder weniger steil gestreckt nach gehalten. In geringer ausgeprägten Fällen kann es noch (auf den Klauenspitzen) belastet werden, in stärkeren Fällen wird es steif nach hinten gehalten und beim Gehen im Halbkreis nach vorn geführt.
Bei beidseitigem Befall stehen die Tiere mit aufkrümmtem Rücken und weit nach vorn untergestellten Hinterbeinen mit häufigem Wechsel der Belastung. Manchmal machen sie fast einen "Handstand" auf den Vorderbeinen. Der Schwanz wird mehr oder weniger stark abgehalten. Es ist zu vermuten, dass die ständigen Krämpfe schmerzhaft sind und Stress verursachen. Das Leiden ist progressiv, und die Rinder verlieren an Körpermasse.

Video, 3,8 MB, 24 Sek.
In der Videosequenz sind zwei Tiere mit spastischer Parese zu sehen. Auffällig sind: der aufgekrümmte Rücken, die überstreckten Gelenke der Hintergliedmaßen, das Trippeln und das verspätete Fußen im Gehen.
 

Diagnostik:
Harte Spannung des M. gastrocnemius. Sprunggelenk lässt sich passiv beugen. Beteiligung des M. quadriceps (BSP-Q) kann durch die Veränderung des klinischen Bildes nach Blockade des N. femoralis nachgewiesen werden.
 

Differentialdiagnosen:
Luxatio patellae dorsalis, Gonitis, Hüftgelenksdysplasie.
 

Therapie:
Totale oder partielle Neurektomie des N. tibialis; "Tripeltenotomie" oder Tripeltenektomie" (Durchtrennung sämtlicher Anteile des Fersensehnenstrangs mit Ausnahme der oberflächlichen Beugesehne). Eine mögliche Technik der totalen Tibialis-Neurektomie wird im Chirurgie-Skript beschrieben.
 

Prophylaxe:
Keine bekannt.
 

PubMed
 
 

 


Letzte Änderung: 02.10.2016


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