Endokarditis
 
W. Klee  
 
 
Das Wichtigste in Kürze

Komplikation dauerhafter oder rezidivierender Bakteriämie (ausgehend von einer chronischen Infektion an einer anderen Stelle des Körpers), hauptsächlich bei älteren Rindern. Klinische Erscheinungen sind Abfall der Milchleistung, rezidivierendes Fieber, Abmagerung, Steifheit und Lahmheit, rasche Ermüdung, Blässe der Schleimhäute, anhaltende Tachykardie und pochender Herzschlag. Herzgeräusche sind nicht immer feststellbar. Die Diagnose erfolgt anhand der klinischen Symptomatik, des Auskultationsbefundes und des Glutartests. Eine Therapie kann versucht werden, ist aber wenig sinnvoll. Aufgrund der schlechten Prognose ist frühzeitige Verwertung des Tieres angezeigt.


 

Prüfungsstoff
 
 
Ätiologie und Pathogenese Differentialdiagnosen
Epidemiologie Therapie
Klinische Erscheinungen Prognose
Diagnostik Prophylaxe

 

Ätiologie und Pathogenese:
Periodische oder dauerhafte Bakteriämie als Folge einer chronischen eitrigen Infektion an einem anderen Ort (bei Kühen z.B. Endometritis, Pododermatitis). Wie es zum Befall der Herzklappen kommt, ist nicht eindeutig geklärt. Möglichkeiten: Adhäsion von Bakterien am Endothel, Eindringen durch Endothelläsionen oder hämatogene Absiedelung über die Herzgefäße. Wichtigste Erreger: α-haemolysierende Streptokokken, Trueperella pyogenes beim Rind und Erysipelothrix insidiosa, Streptococcus spp., E. coli, T. pyogenes beim Schaf. Es kommt zu mehr oder weniger umfangreichen, meist blumenkohlähnlichen Wucherungen im Bereich der Herzklappen. Bei Rindern ist die Trikuspidalis am häufigsten betroffen. Von den Wucherungen können septische Emboli mit dem Blutweg verstreut werden, bei Befall der Trikuspidalis zunächst in Verzweigungen der A. pulmonalis, von der Lunge über das linke Herz in verschiedene Organe (z.B. Nieren). Funktionell steht die Insuffizienz der betroffenen Klappe im Vordergrund.
 

Epidemiologie:
Endokarditis kommt vor allem bei älteren Rindern vor.
 

Klinische Erscheinungen:
Periodischer Abfall der Milchleistung, rezidivierendes Fieber, Abmagerung, Steifheit und Lahmheit, rasche Ermüdung, Blässe der Schleimhäute, anhaltende Tachykardie und pochender Herzschlag. Geräusche können nicht immer festgestellt werden. Wenn sie vorhanden sind, handelt es sich meist um systolisches Rauschen ("Buch-dup"). (Umgekehrt sind aber systolische Herzgeräusche bei vielen Kühen ohne Herzerkrankung feststellbar, vor allem bei Auskultation weit kranial.)

  Ton, 14 Sek., 424 kB  Die Aufnahme stammt von einem Kalb mit deutlich hörbarem systolischen Herzgeräusch (vermutlich funktionell).

In sehr ausgeprägten Fällen ist im Bereich des Herzens an der Körperoberfläche eine Vibration zu spüren. Positiver Venenpuls (siehe Propädeutik-Skript) und Ödeme sind nicht immer vorhanden.


Sektionsbefund am Herz einer Kuh mit Endocarditis valvularis thromboticans.
Auf den Herzklappen sind blumenkohlartige Auflagerungen sichtbar.

Labor: nicht-regenerative Anämie, Leukozytose, sehr ausgeprägte Hyperglobulinämie (Glutartest)
 

Diagnostik:
Bei Kühen mit rezidivierendem Fieber, Anämie und zunehmender Steifheit sollte unbedingt auch an Endokarditis gedacht werden. Sorgfältige Auskultation des Herzens, vor allem nach Bewegung. Mit Sonographie können die Veränderungen an den Klappen dargestellt werden.
Der Nachweis von Streptokokken oder T. pyogenes in Blutproben, die unter "sterilen Kautelen" im Abstand von etwa ½ h (bei Patienten mit Fieber) oder 6 h (bei Patienten ohne Fieber) entnommen wurden, hat mehr akademische als praktische Bedeutung, denn die in Frage kommenden Keime sind in der Regel (zumindest in vitro) gegenüber Penicillin empfindlich.
Endokarditis kann weitgehend ausgeschlossen (!) werden, wenn der Glutartest negativ ausfällt.
 

Differentialdiagnosen:
Kardiomyopathie, Perikarditis, angeborener Herzfehler, starke Anämie
 

Therapie:
Nur in ganz außergewöhnlichen Fällen (Besamungsbulle, ET-Spender-Tier) ist ein Behandlungsversuch angezeigt: Penicillin hoch dosiert über mindestens drei Wochen. In den meisten Fällen ist die frühzeitige Verwertung angezeigt.
 

Prognose:
Schlecht. Allerdings gibt ein Autor (REBHUN) eine Heilungsquote von 9/31 (= 29 %) an.
 

Prophylaxe:
Keine spezifische Prophylaxe möglich. Rechtzeitige und sachgemäße Behandlung der Leiden, in deren Gefolge die Krankheit auftritt.
 

PubMed
 
  



Letzte ─nderung: 10.07.2014


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