Leberegel-Befall
Fasziolose; liver flukes
 
W. Klee  
 
 
Das Wichtigste in Kürze

Befall mit Fasciola hepatica, dem großen Leberegel. Weltweite Verbreitung. Akute Fasziolose möglich bei Wanderung der jungen Egel durch Bauchhöhle und Leberparenchym: plötzliche Todesfälle, Peritonitiden, Leberinsuffizienz, Ikterus, Anämie. Keine Eier im Kot nachweisbar. Diagnose aufgrund des Sektionsbefundes. Chronische Fasziolose wird verursacht durch adulte Leberegel in den Gallengängen: Abmagern, Leistungsrückgang, Anämie, chronischer Durchfall, Ödeme infolge von Hypalbuminämie. Diagnose koproskopisch (Sedimentation), ggf. serologisch. Verschiedene Therapeutika wirksam (Zulassung !). Strategische Behandlung sinnvoll.


 

Prüfungsstoff
 
 
Erreger
Epidemiologie und wirtschaftliche Bedeutung
 
Akute Fasziolose Chronische Fasziolose
    Klinische Erscheinungen     Klinische Erscheinungen
    Diagnose     Diagnose
    Differentialdiagnose     Therapie
    Therapie     Bekämpfung

 

Erreger:
Fasciola hepatica (LINNE 1758), der große Leberegel. Hinsichtlich der Parasiten-Biologie wird auf die Parasitologie-Vorlesung verwiesen.
Der Befall mit dem kleinen Leberegel (Dicrocoelium dentriticum oder lanceolatum) hat meist keine erkennbare klinische oder wirtschaftliche Folgen.
 

Epidemiologie und wirtschaftliche Bedeutung:
Praktisch weltweite Verbreitung bei Haus- und Wildwiederkäuern. Nach intensiver und systematischer Bekämpfung ging die Verbreitung dieses Parasiten stark zurück. Seit einigen Jahren nimmt die Befallsextensität wieder zu. Pränatale Infektionen sollen vorkommen, auch bei Schafen, Pferden und Menschen.

Wirtschaftlich bedeutsame Schäden werden vor allem durch die Reduktion der Freßlust und die Verschlechterung der Futterverwertung bedingt. Letzteres ist nicht immer nachweisbar. Die Milchleistung betroffener Kühe soll um 10 % erniedrigt sein können.

Akute und chronische Fasziolose sind zu unterscheiden. Mache Autoren unterscheiden dagegen vier Formen: akute, subakute und chronische Fasziolose sowie subklinischen Befall.
 
 

Akute Fasziolose
entsteht bei der Wanderung der jungen Egel durch die Bauchhöhle und durch das Leberparenchym.

Klinische Erscheinungen:
Plötzliche Todesfälle, gehäuft auftretende, tödlich verlaufende Peritonitiden (!), Leberinsuffizienz (u.a. Hypalbuminämie), Ikterus und Anämie.
Zum Zeitpunkt der Erkrankung sind keine Leberegeleier im Kot nachweisbar (Präpatenzperiode).

Diagnose:
Klinisch nur Verdachtsdiagnose möglich. Sicherung durch Schlacht- oder Sektionsbefund.

Differentialdiagnose:
"Chronische" Kupfervergiftung.

Therapie:
Kommt oft zu spät. Triclabendazol (12 mg/kg) soll auch gegen junge Leberegel (ab 1. Tag) wirken.
 
 

Chronische Fasziolose
wird von den adulten Leberegeln in den Gallengängen verursacht und entwickelt sich langsam. Die Präpatenzzeit beträgt über 61 Tage.

Klinische Erscheinungen:
Körpermasseverlust, Rückgang der Milchleistung, Anämie, chronischer Durchfall. Hypalbuminämie, welche zu Ödemen führt. Anstieg der GGT-Aktivität im Plasma/Serum.
LE-Invasionen können Rinder gegenüber Salmonelleninfektionen empfänglicher machen und das Risiko für Dauerauscheidung erhöhen.
Subklinischer Befall kommt vor.

Diagnose:
(nötigenfalls wiederholte) Kotuntersuchung (von mehreren gleichartig exponierten Tieren). Jedes positive Ergebnis muß als Hinweis auf Befall der Gruppe angesehen werden.

    Kotprobenuntersuchung, Betrachtung bei geringer Vergrößerung unter dem Mikroskop: Ei von Fasciola hepatica

Die Untersuchung von Gallenflüssigkeit hat zwar eine höhere diagnostische Empfindlichkeit, erfordert aber ultraschallgesteuerte Punktion der Gallenblase. Neuerdings sind auch serologische Verfahren etabliert, so zum Beispiel ein Capture-ELISA für sogenannte Koproantigene. Diese Tests sind empfindlicher als der mikroskopische Nachweis von Eiern im Kot und auch schon in der Präpatentperiode positiv (Abdel-Rahman et al., 1998).
Auch serologische Untersuchung von Blutserum oder Milch (auch Tankmilch) ist möglich. Die nachweisbare Immunreaktion schützt aber möglicherweise nicht vor Reinfektion.

Therapie:

Über die Wirkungsmechanismen von fascioliziden Substanzen gibt es eine ausführliche Übersichtsarbeit von FAIRWEATHER und BORAY (1999). Nicht alle der oben genannten Mittel sind zur Zeit in Deutschland zugelassen. Außerdem besteht bei laktierenden Kühen das Problem der Wartezeit.

Einzelne Eier können auch nach erfolgreicher Behandlung in der Gallenblase verbleiben und Monate später ausgeschieden werden.

Bekämpfung:
Strategische Behandlungen: Sechs Wochen nach der Aufstallung und Ende März, jeweils für drei Jahre, danach einmal jährlich nach der Aufstallung.
Silierung (> 30 d) von kontaminiertem Grünfutter oder Heugewinnung (Lagerung > 6 Monate!). Weidehygiene: Auszäunung kontaminierter Flächen, Befestigung der Tränken.
 

PubMed
 
 
 


Letzte Änderung: 20.09.2005


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